Schmackhaftes Retrogemüse

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In der Donald Duck-Geschichte „Das goldene Vlies“ ist von einem Pudding aus Pastinaken die Rede, der als ungenießbar gilt. Und so lassen die Donaldisten noch heute auf ihren Kongressen den abgewirtschafteten Tagungsleiter – liebevoll PräsidEnte genannt – öffentlich eine Schüssel Pastinakenpudddings auslöffeln.

Dabei sind Pastinaken (lat. Pastinaca sativa) alles andere als ungenießbar. Sie sind sogar äußerst schmackhaft und vor allem gesund. Pastinaken enthalten bis zu 3,5 Prozent ätherische Öle, die nicht nur einen aromatischen Duft verströmen und dem Gemüse einen würzigen Geschmack verleihen. Die ätherischen Öle wirken ähnlich wie Kümmel: Sie lindern Magen-und Darmbeschwerden, erleichtern die Atmung und sie sollen eine stimulierende Wirkung auf das Nervensystem haben. Darüber hinaus sind Pastinaken reich an Kalium und löslichen Pflanzenfasern. Letztere bilden im Darm eine gelartige Masse, die bewirkt, dass weniger Fett und Cholesterin über die Darmwände in den Stoffwechsel gelangen.

Die heilende Wirkung von Pastinaken erkannte man schon im Mittelalter. In Klosterrezepten wurden sie gegen Blasen-, Nieren- und Leberleiden „verschrieben“. Und im 14. Jahrhundert, als die Pest durch Europa wütete, setzte man ihren Saft als Heilmittel ein. Das trug der Wurzel den Beinamen „Pestnacke“ ein. Aber nicht nur Kranken und Totgeweihten versprach die Pastinake Linderung. Nach dem Verzehr soll sie die menschliche Libido in Schwung bringen, sprich „lustige Gefühle“ auslösen. Mönchen und Nonnen war daher der Genuss dieses Gemüses strengstens untersagt.

Die Pastinake ist übrigens ein Doldengewächs, eine Kreuzung zwischen wilder Möhre und Petersilienwurzel. Sie zählt zu den ältesten Sammelpflanzen der eurasischen Urbevölkerung. Der römische Kaiser Tiberius lernte die Pastinake in Germanien kennen und lieben und soll sich das Wurzelgemüse regelmäßig aus den germanischen Rheinprovinzen haben anliefern lassen.

Mit den Pilgervätern gelangte die Pastinake im 17. Jahrhundert schließlich in die USA, wo sie traditionell noch heute zum Weihnachtsessen gehört. Während in Frankreich, Großbritannien und Italien das Wurzelgemüse bis heute einen festen Platz in den Kochrezepten einnimmt, wurde die Pastinake in Deutschland lange Zeit von den Möhren auf deutschen Tellern verdrängt. Doch ihre Zeit ist wieder reif, die Hammel-, Hirsch- oder Moorwurzel, wie die Pastinake auch genannt wird, erlebt zurzeit eine deutsche Renaissance.

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