Mit „Penicillin aus dem Garten“ lässt sich schmackhaft kochen

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In dieser Jahreszeit wird eine der schmackhaftesten Pflanzen überhaupt geerntet, die einem bei der Zubereitung zwar die Tränen in die Augen treiben kann, beim Verzehr jedoch das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Die Rede ist vom Meerrettich. Schmackhaft, werden jetzt einige fragend einwenden, „das Zeug ist doch vor allem scharf.“ Zugegeben, beim Meerrettich liegt die geschmackliche Würze tatsächlich überwiegend in seiner speziellen Schärfe. Aber genau die lässt sich in der Küche wunderbar nutzen, etwa indem man sie in Form einer Meerrettichsauce mit verschiedenen Fischarten, zu Fleisch oder auch gekochten Eiern kombiniert. Als ein leckerer und beliebter Klassiker von dieser Rezeptpalette sei nur Tafelspitz mit Meerrettichsauce herausgehoben. Somit hat der Meerrettich als kulinarische Zutat seine Meriten.

Andere wiederum schätzen an der scharfen Knolle vor allem ihre wohltuende Wirkung auf das Wohlbefinden. Tatsächlich wird der Meerrettich schon seit der Antike als Heilpflanze eingesetzt. Die in der katholischen Kirche als Heilige verehrte Hildegard von Bingen etwa, die sich im Hochmittelalter insbesondere auch als Heilkundlerin einen Namen machte und deren Lehren über eine gesunde Lebensführung bis heute nachwirken, behandelte mit dem „Merrich“, wie sie den Meerrettich nannte, Brust- und Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Husten. Aber auch gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum kam das Wurzelgemüse zum Einsatz. Abgesehen von einigen irrigen Vorstellungen aus alten Zeiten, wie der, dass sich mit einem Stück Meerrettich unter den Kopfkissen von Eheleuten das Geschlecht eines zur Geburt anstehenden Kindes bestimmen lasse – das Stück, das als Erstes schwarz wird, weist je nach Kopfkissen auf männlich oder weiblich hin – hat das Mitglied der Familie der Kreuzblütler bis heute seinen unbestrittenen Platz bei den natürlichen Heilmitteln.

Dafür sorgen vor allem die in der Wurzel enthaltenen Senföle. Sie wirken antibakteriell, regen den Appetit ebenso an wie die Produktion von Verdauungssäften, fördern den Kreislauf, wirken blutdrucksenkend und positiv auf die Durchblutung der Schleimhäute. Es gibt sogar Untersuchungen, denen zufolge die Senföle Krebs auslösende Vorgänge im Körper hemmen sollen. Doch der endgültige Nachweis dafür steht noch aus. Bewiesen hat der Meerrettich hingegen seine Wirksamkeit bei der Behandlung von rheumatischen Beschwerden, bei Asthma, Erkältungen oder Blasenentzündungen. Diese heilsamen Kräfte brachten ihm daher auch den Ehrentitel „Penicillin aus dem Garten“ ein.

Woher der richtige Name Meerrettich stammt, in Bayern übrigens Kren genannt, ist dagegen umstritten. Andere Bezeichnungen für die Pflanze lauten auch Fleischkraut, Pferderettich oder Waldrettich. Das „Meer“ im Meerrettich soll einer Deutung zufolge für „mehr“ im Sinne von „großer Rettich“ stehen. Eine zweite Erklärung zielt auf den englischen Namen der Pflanze, „horseradish“ ab, zu deutsche eben Pferderettich: Demnach würde in dem aktuellen Namen der Pflanze das alte Wort „Mähre“ für Pferd stecken. Oder der Meerrettich heißt einfach so, wie er heißt, weil die Pflanze in der Natur ihrer Heimat Süd- und Osteuropa vielfach an Küsten anzutreffen ist.

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