Flammkuchen – der Temperaturmesser, der zur Delikatesse wurde

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Einige Speisen haben einen sehr innigen Bezug zu bestimmten Jahreszeiten. Als ein treffliches Beispiel dafür darf wohl der Flammkuchen gelten, der insbesondere im Herbst und im Winter gern als Snack in gemütlichen abendlichen Runden gereicht wird. Das vergleichsweise einfache Rezept für den Flammkuchen stammt ursprünglich aus dem Elsass und die Speise wird bis heute als Repräsentant der dortigen Küche hoch geschätzt. Dabei wurde die elsässische Spezialität Überlieferungen zufolge nur erfunden, um die Hitze in Backöfen zu testen. Insofern hat sich in diesem Fall ein Hilfsmittel zur Temperaturbestimmung zu einem kulinarischen Highlight entwickelt.

Früher war es in den Dörfern des Elsass – und nicht nur dort – nämlich noch üblich, dass die Frauen einmal wöchentlich zusammenkamen, um in einem großen Ofen gemeinsam Brot zu backen. Bevor sie ihren Brotteig jedoch in den Ofen schieben konnten, musste dieser auf eine Mindesttemperatur aufgeheizt werden. Da den Bäckerinnen zu jener Zeit jedoch noch keine Thermometer zur Verfügung standen, blieb ihnen nichts anderes übrig als sich etwas einfallen zu lassen, um bestimmen zu können, wann der Ofen die richtige Temperatur erreicht hatte. Zu diesem Zweck rollten sie ein Stück Brotteig flach aus und schoben es in die Flammen. Daher stammt der Name Flammkuchen.

War der Teig nach ein bis zwei Minuten goldbraun gebacken, hatte der Ofen die gewünschte Hitze von 350-400 Grad erreicht. Wurde der Fladen schwarz, war der Ofen zu heiß, reichte die Zeit von bis zu zwei Minuten zum Backen nicht aus und blieb der Teig dementsprechend weich, musste nachgeheizt werden. Erst wenn der Teigfladen in der gewünschten Zeit knusprig wurde, konnten die eigentlichen Brotlaibe zum Backen in den Ofen geschoben werden.

Da in der damaligen Zeit Nahrungsmittel noch höher im Kurs standen als heute vielfach, warfen die Frauen ihren Testkuchen anschließend nicht einfach fort, sondern verzehrten ihn. Und weil der pure Fladen ihnen wohl zu trocken war, brachten sie irgendwann eine Sauce zum eintunken mit. Später versahen sie den flachen gebackenen Brotteig mit einem Aufstrich, gaben darauf mit der Zeit andere vorhandene Zutaten wie Speck und Zwiebeln und fertig war irgendwann der Flammkuchen, wie wir ihn heute kennen. Und weil das einfache Gericht sich als äußerst schmackhaft herausstellte, gewann es immer mehr Freunde und trat seinen Siegeszug bei den Genießern auch außerhalb des Elsass an.

Inzwischen wird der Teig für den Flammkuchen in verschiedenen Varianten zubereitet: Die einen schwören auf Hefeteig, die anderen auf einen Ölteig. Und wer es lieber kohlenhydratarm mag, kann den Teig auch mit Speisequark anmischen. Mehr oder weniger freie Auswahl haben Flammkuchen-Bäcker zudem hinsichtlich des Belages: Hier sind dem Geschmack jenseits des Elsässer Originals, das auf Schmand, Zwiebeln und Speck sowie Salz, Pfeffer und frischen Kräutern basiert, ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Mittlerweile gibt es sogar süße Flammkuchen …

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