Dr. Birchers Frühstücks-Klassiker

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An jedem dritten Samstag im September begeht die Welt einen für viele Liebhaber eines vollwertigen Frühstücks wichtigen Feiertag: den Weltmüslitag. Anlass genug, sich einmal die Ursprünge des Müslis ins Gedächtnis zu rufen. Als Mutter der inzwischen zahllosen Flocken-Körner-Obst-Rezeptvariationen gilt das sogenannte Birchermüsli. Es wurde von dem Schweizer Arzt Dr. Maximilian Bircher-Benner ersonnen, der dabei allerdings eigentlich eine ausgewogene Diätspeise im Sinn hatte.

Erzählungen zufolge soll Bircher-Benner bei einer Wanderung von einer Sennerin etwas Müsli-Ähnliches vorgesetzt bekommen haben. Daraus entwickelte er dann seine Apfeldiätspeise weiter, auch kurz „d Spys“ genannt. Diese ließ der Ernährungsreformer den Patienten in seinem Züricher Sanatorium „Lebendige Kraft“ auftischen. Später bekam dieses „Mus“ dann den freundlicheren Namen „Müsli“.

Mag sein, dass diese Geschichte ein Mythos ist. Historisch belegt ist dagegen, dass sich Ursprünge des Müslis sogar noch viel früher verorten lassen. Denn Getreide und Getreideerzeugnisse stellen bereits seit Jahrhunderten eine wichtige Nahrungsquelle und -grundlage für die Menschheit dar. Davon ist in der Bibel zu lesen und schon die alten Griechen wussten um 400 v. Chr.: „Wem an seiner Gesundheit liegt, der esse morgens einen Brei aus Getreideschrot“. Die Wertschätzung des Getreides beruht dabei zum einen auf seiner inzwischen wissenschaftlich nachgewiesenen ernährungsphysiologischen Bedeutung: Immerhin kann man sich damit nahezu vollwertig ernähren. Zum anderen erwies sich Getreide von jeher auch aufgrund seiner einfachen Transport- und Lagerfähigkeit als ungemein praktisch. Deshalb finden sich in vielen Ländern und Regionen der Welt müsliähnliche Getreideflockengerichte.

Dr. Bircher-Benner jedoch soll mit seiner Kreation eigentlich eine Diätspeise im Sinn gehabt haben – so ausgewogen wie Muttermilch. Daher die vergleichbaren Anteile an Eiweiß, Fett und Kohlehydraten. Nach Birchers ursprünglichem Rezept wird pro Portion ein gestrichener Esslöffel Haferflocken rund 12 Stunden in drei Esslöffeln Wasser eingeweicht. Danach fügt man einen Esslöffel Zitronensaft und einen Esslöffel gezuckerte Kondensmilch hinzu. Daraus wird eine „Soße“ gemischt. Anschließend kommen noch zwei geriebene, möglichst saure Äpfel hinzu, ein Esslöffel geriebene Haselnüsse sowie je nach Geschmack etwas Honig zum Süßen – und fertig ist das originale Birchermüsli.

Seit damals entstanden unzählige Variationen des angeblich besten Frühstücks der Welt. Viele von ihnen sind – weitestgehend vorbereitet – unterdessen nicht mehr nur in Reformhäusern erhältlich, sondern gehören auch schon zum Standardsortiment in den Regalen der Supermärkte. Dort finden sich heute zudem viele abgewandelte Müsli-Formen mit Joghurt und verschiedenen Obstsorten sowie anderen Zutaten. Und wer dem Zeitgeist entsprechend ein veganes Müsli bevorzugt, kann zum Beispiel Sojamilch verwenden. Wie auch immer und nicht nur zum Weltmüslitag: Dr. Birchers Kreation oder die seiner Almwirtin haben nicht nur einem weiteren Klassiker der eidgenössischen Küche neben Raclette und Fondue den Weg in die internationalen Küchen geebnet, sondern auch einen Prototyp vollwertiger Ernährung geschaffen.

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