Auch „arme Leute“ können „fürstlich“ speisen: mit dem Bismarckhering

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Wie kommt eine Speise, die lange als sogenanntes Arme-Leute-Essen galt, in diesem Fall der Hering, zu einem weltbekannten, adligen Namen wie Bismarck? Wäre er nicht so wohlschmeckend, würzig und zugleich sehr gesund, würden den Bismarckhering allein schon die Geschichten, Anekdoten und Spekulationen um das Zustandekommen seines Namens zu einem höchst interessanten Lebensmittel machen. Wobei einige sogar infrage stellen, ob das Fischgericht tatsächlich nach dem Reichskanzler benannt wurde oder nicht vielmehr die Stadt Bismark (Altmark) in Sachsen-Anhalt Namensgeber war. Pikante Zutat zu diesem Zusammenhang: Bismarck wurde 1895 Ehrenbürger von Bismark.

Tatsächlich ranken sich jedoch die weitaus meisten Episoden zur Namensfindung des Bismarckherings um den berühmten Preußen, der nicht nur als politisches, sondern auch als leibhaftiges Schwergewicht von sich reden machte. Denn man sagte Otto von Bismarck, der maßgeblich zur Gründung des Deutschen Reichs beitrug, an dessen Spitze er bis 1890 stand, einen ausgeprägten Hang zum Essen nach. Dazu soll er selbst gesagt haben, „wenn ich tüchtig arbeiten soll, so muss ich gut gefüttert werden“!

Nach diesem Credo lebte der Adlige offenbar so konsequent, dass er mit 65 Jahren satte 300 Pfund auf die Waage gebracht haben soll. Das machte laut Überlieferung seine Gattin so besorgt, dass sie einen bekannten Arzt bat, mäßigend auf ihren verfressenen Mann einzuwirken. Trotz erheblichen Widerstands vonseiten des Fürsten soll jener jedoch schließlich eingelenkt und eingewilligt haben, sich fortan gesünder und leichter zu ernähren. An der Stelle kam dann der Hering ins Spiel bzw. auf den Speisezettel. Ob es daran lag oder eher einer allgemeinen Ernährungsumstellung sei dahingestellt – überliefert ist jedoch, dass Bismarck anschließend ordentlich abspeckte. Damit war die Hering-Diät erfunden.

Erzählungen zufolge kam der Fürst so auf den Geschmack des in Essigmarinade eingelegten und mit Senfkörnern, Zwiebeln, Lorbeerblättern sowie Öl gewürzten Herings, dass er ihn von sich aus mit seinem Namen adelte. Nach anderen Darstellungen folgte er den Ersuchen eines Wirts bzw. eines Konservenfabrikanten, die den damaligen VIP gebeten haben sollen, den Leckerbissen zu Bismarcks Ehren entsprechend benennen zu dürfen. Was nicht unwahrscheinlich erscheint, da schon zu Lebzeiten des berühmten Preußen viele Produkte darum wetteiferten, seinen großen Namen tragen zu dürfen.

Was auch immer dem bürgerlichen Hering den Aufstieg in den Adelsstand ermöglichte, bis heute ist ihm seine Beliebtheit bei Leckerschmeckern erhalten geblieben. Dazu hat ohne Zweifel sein Ruf als gesundes Nahrungsmittel mit einem feinen Geschmack beigetragen, jene Faktoren also, die schon Bismarcks Wohlbefinden positiv beeinflusst haben sollen.

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