Tai Chi – friedliches Boxen zum Wohl von Geist und Körper

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Kaum ein Bericht über China kommt ohne diese Bilder aus: Eine Gruppe von Menschen vollführt scheinbar gedankenverloren wie in Zeitlupe fließende Bewegungen, die einer festgelegten Choreografie zu folgen scheinen, und verharrt dabei zwischendurch in verschiedensten Posen. Das ist Tai Chi, ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, die sich im ehemaligen Reich der Mitte längst zu einem Volkssport fortentwickelt hat. Inzwischen findet das Schattenboxen, wie Tai Chi bei uns auch genannt wird, im Westen ebenfalls immer mehr Anhänger. Denn diese Bewegungsform – manche würden auch sagen Gymnastik – fördert gleichzeitig Körper und Geist. Sie trägt somit umfassend zum Wohlbefinden bei.

Wer Tai Chi sieht, kann sich nur schwer vorstellen, dass diese eher tänzerischen Bewegungen einen kämpferischen Ursprung haben. Doch es trifft zu – die Figuren entstanden als Abwehr eines oder mehrerer Angreifer. Sie sollen im Nahkampf der Selbstverteidigung dienen. Doch diese Bedeutung des Schattenkampfs ist gemessen an seinem Wert für die Gesundheit längst in den Hintergrund gerückt. Heute spricht der philosophische Ansatz dieses Sports für Jung und Alt vielmehr die Gehetzten und Getriebenen unseres hektischen Alltags und Berufslebens an. Denn Tai Chi vermittelt Gelassenheit, dient der Entspannung bis hin zu Momenten der Meditation. Das baut Stress ab und bringt die Lebensenergie wieder ins Gleichgewicht, wie es die Chinesen ausdrücken.

Beim Tai Chi gibt es mehrere sogenannte Schulen oder Stile. Sie unterscheiden sich insbesondere in ihrem grundsätzlichen Ansatz: Die einen legen den Schwerpunkt mehr auf Entspannung und Meditation, während andere den „alten“ kämpferischen Inhalt stärker in den Vordergrund rücken. Allen Übungen gemein ist allerdings das Plus eines umfassenden Bewegungstrainings, das allen Altersgruppen zugutekommt und sich auch für Fitnesseinsteiger eignet. Tai Chi ist als Beitrag zur Gesundheitsvorsorge inzwischen auch bei uns so anerkannt, dass die Kosten für entsprechende Kurse teilweise sogar von den Krankenkassen übernommen werden. Rücksprache lohnt sich also.

In jedem Fall, so raten Kenner, sollten sich Interessierte anfangs einem ausgebildeten Lehrer anvertrauen. Denn Autodidakten bringen sich leicht falsche Bewegungen bei, die später nur noch schwer zu korrigieren sind. Deshalb empfiehlt sich für Trainings-Neulinge, sich zunächst über die Tai Chi-Schulen in der Umgebung zu informieren und sich dann eine auszuwählen. In der Regel gelten zehn bis zwölf Unterrichtsstunden als ausreichend, um die Grundlagen des Schattenkampfes zu erlernen. Danach lässt sich dann auch besser entscheiden, ob man dem meditativen Weg der Entspannung weiter folgen möchte oder dem kämpferischen Aspekt den Vorzug gibt.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Tai Chi verbessert in jedem Fall Körperbeherrschung, Gelenkigkeit und Koordination. Es entspannt den Körper ebenso wie den Geist und wirkt so nachgewiesenermaßen wohltuend auf Hormonhaushalt sowie Blutdruck. Und nicht zu vergessen: Tai Chi hilft abschalten – vom Stress, von Problemen, von negativen Einflüssen. So sorgt diese alte chinesische Kampfkunst, die übrigens im Gegensatz zu anderen solcher fernöstlichen Sportarten keine Prüfungen kennt, für einen harmonischen Fluss der Lebensenergie, wie es in den chinesischen Ursprüngen heißt. Wenn das kein lohnendes Ziel ist!

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