Lichtverschmutzung: Zu helle Nächte beeinträchtigen das Wohlbefinden

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In der Schöpfungsgeschichte der Bibel sprach der Herr „es werde Licht“ und schied dieses danach von der Finsternis. Inzwischen ist unsere Erde so beleuchtet, dass Wissenschaftler sogar vor „Lichtverschmutzung“ warnen. Denn dadurch gerät bei vielen Lebewesen – auch Menschen – der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Takt. Das wiederum führt nicht nur zu Schlafstörungen, sondern hat auch negative Auswirkungen auf den Hormonhaushalt vieler Menschen bis hin zu Entwicklungsstörungen bei Kindern bzw. Jugendlichen. Gesund ist die Lichtverschmutzung demnach für niemand.

Wer einen Vergleich zu „früher“ hat, dem ist vielleicht auch schon aufgefallen, dass man nachts inzwischen kaum noch Sterne am Himmel sehen kann – schon mal gar nicht in großen Städten oder den sogenannten Metropolregionen. Untersuchungen zufolge soll rund die Hälfte aller Europäer die Milchstraße nicht mehr sehen können. Die Ursache: Lichtverschmutzung. Darunter versteht man die künstliche Erhellung des Himmels bei Nacht durch vom Menschen erzeugtes Licht: Straßenbeleuchtung, angestrahlte Gebäude, Leuchtreklamen, ausgeleuchtete Industrieanlagen etc. lassen die Nacht zwar nicht wirklich zum Tag werden, sorgen jedoch dafür, dass es nachts um uns herum immer heller wird. Nach Schätzungen von Experten nimmt die künstliche Beleuchtung auf der Erde pro Jahr um etwa sechs Prozent zu.

Und das stresst nicht nur die „Sternengucker“, die das Licht der Himmelskörper vielfach nur noch fernab von Städten zu sehen bekommen. Die künstliche Beleuchtung bzw. abnehmende nächtliche Dunkelheit macht den Menschen gesundheitlich zu schaffen, mindert ihr Wohlbefinden, wie Mediziner inzwischen immer öfter und lauter warnen. Denn die „hellen Nächte“ wirken sich auf unseren Hormonhaushalt aus. Genauer gesagt, sie beeinflussen die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das unseren Tag-Nacht-Rhythmus bestimmt. Kommt es hier zu Beeinträchtigungen, wirkt sich dies nur allzu oft in Form von mehr oder weniger heftigen Schlafstörungen aus. Die wiederum schränken nicht nur die Regenerationsfähigkeit des Körpers ein, sondern können auch zu ernsthaften Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depressionen führen.

Wissenschaftlichen Studien zufolge besteht sogar ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Melatonin-Produktion im Körper und der Entstehung bzw. dem Wachstum bestimmter Krebsarten: Ein Mangel an dem Schlafhormon vergrößert demnach die Krebsgefahr. So stellten US-Forscher in Untersuchungen erst vor Kurzem fest, dass Krebszellen offenbar schneller wachsen, je heller Betroffene nachts schlafen. Schon in früheren Studien hatte es Hinweise darauf gegeben, dass Melatonin eine vor Krebs schützende Wirkung hat und das Wachstum von Tumoren verlangsamt.

Nach den Ergebnissen internationaler Forschungen hat insbesondere in Westeuropa die Lichtverschmutzung beunruhigende Ausmaße erreicht. Das Institut für Lichtverschmutzung im italienischen Thiene geht sogar davon aus, dass rund 80 Prozent der Weltbevölkerung unter einem vom Menschen unnatürlich erleuchteten Himmel leben. In Europa und Nordamerika soll Lichtverschmutzung bereits 99 Prozent der Menschen betreffen. Wirkliche Dunkelheit in der Nacht ist nach Einschätzung der Wissenschaftler in Europa – wenn überhaupt – nur noch in nördlichen Ländern wie Schweden und Norwegen oder in Schottland zu finden.

Deshalb empfehlen Mediziner, auch selbst etwas gegen das „Verschwinden der Nacht“ zu unternehmen: zum Beispiel durch den Verzicht auf nachts dauernd leuchtende Lampen mit Solarzellen im Garten bzw. auf dem Grundstück, durch das Abschalten nicht benötigter Lichtquellen außerhalb des Hauses und durch den Ersatz von nach oben abstrahlenden und kugelförmig leuchtenden Lichtquellen durch zentriert strahlende Lampen. Außerdem lässt sich Dauer-Beleuchtung mit Bewegungsmeldern elegant entgegenwirken. Das macht sich über einen geringeren Energieverbrauch dann auch als aktiver Umweltschutz bemerkbar. Darüber hinaus raten die Wissenschaftler, sich vor dem Zubettgehen nicht zu viel dem künstlichen blauen Licht der Mobiltelefon-, Computer- und Fernseh-Bildschirme auszusetzen. Denn auch dieses Licht vermindert die Produktion des Schlafhormons Melatonin.

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