Lahmgelegt von einer Hexe – „Volkskrankheit“ Rückenschmerzen

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Die Formulierung „Ich hab Rücken“ dürfte der bekannteste Ausspruch der von Komiker Hape Kerkeling erfundenen Comedy-Figur Horst Schlämmer sein. Früher wurde dieses Unwohlsein mit „Er hat es im Kreuz“ beschrieben. Landauf, landab am verbreitetsten ist wohl die Bezeichnung Hexenschuss für das Problem, das die Mediziner Lumbago oder akute Lumbalgie nennen. All diesen Ausdrücken ist eines gemein: Sie stehen für meist harmlose, jedoch häufig ausgesprochen unangenehme akute Rückenschmerzen.

Und vor der Hexe sind alle gleich – laut Statistik wird im Laufe seines Lebens nahezu jeder Mensch wenigstens einmal von ihr heimgesucht. Die meisten Betroffenen sollen zwischen 30 und 50 Jahre alt sein, häufig auch jünger. Ab dem 60. Lebensjahr verzeichnen die Statistiker dann weniger Hexenschüsse. Aber was verbirgt sich eigentlich genau hinter diesem Begriff – die damit verbundenen Beschwerden sind ja hinlänglich bekannt.

Wenn einem „das Kreuz wehtut“, kann das verschiedene Ursachen haben. Beim „normalen“ Hexenschuss ist die Rückenmuskulatur so verspannt oder gar verhärtet, dass sie einfach nicht mehr richtig funktioniert: Die Muskeln und Bänder arbeiten nicht mehr harmonisch zusammen, sondern streiken. Das hat zur Folge, dass die von der Hexe Beschossenen sich nur noch unter Schmerzen aufrichten oder vorbeugen können, wenn überhaupt. Sie sind häufig vorübergehend lahmgelegt – kreuzlahm!

Dieser Zustand ist zwar sehr unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich. Meist ist es nach rund einer Woche mit den Kreuzschmerzen vorbei, mitunter dauert dies schon mal zwei Wochen. In weniger günstigen Fällen können dafür jedoch auch mal vier bis sechs Wochen ins Land gehen. Wenn die Beschwerden innerhalb eines solchen Zeitraums nicht nachlassen, muss allerdings genauer nach den Ursachen der Rückenschmerzen geschaut und zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt. Auch ein „Ischias“ kann heftige Rückenschmerzen auslösen, die zudem in die unteren Extremitäten ausstrahlen können. Ischias-Beschwerden, von den Ärzten Ischialgie genannt, zählen zu den sogenannten Neuralgien, weil der Urheber des meist urplötzlich auftretenden Schmerzes der Ischiasnerv ist. Typisch für diese Erkrankung ist, dass sich der – meist heftige – Schmerz von der Lendengegend über das Gesäß bis in ein Bein ausbreitet.

Ursache von Ischialgien sind vielfach Abnutzungen an den unteren Bandscheiben der Lendenwirbelsäule. Dies führt irgendwann dazu, dass der Ischiasnerv zu sehr belastet oder gar eingeklemmt wird – mit den bekannten schmerzhaften Folgen. Aber auch Verspannungen in der Muskulatur im Umfeld der Lendenwirbelsäule können eine solche Neuralgie bedingen. Bei Ischialgien lassen sich Röntgenuntersuchungen sowie Computer- und Kernspintomografien im Bereich der Lendenwirbel und der Hüften oft nicht vermeiden, um die genauen Ursachen der Schmerzen zu lokalisieren.

Beim Hexenschuss hingegen geht es in der Regel ohne das ab. Vielfach lassen sich diese Rückenschmerzen „in Eigenleistung“ therapieren. Als erfolgreich erweist sich dabei immer wieder vor allem Wärme am Rücken. Gegen Schmerzen durch einen Hexenschuss hilft zudem meist zuverlässig die sogenannte Stufenlagerung: Dazu legt man Kopf und Rücken flach auf eine Fläche, etwa auf den Boden, während Knie und Unterschenkel im rechten Winkel auf einem Stuhl oder etwas Ähnlichem ruhen.

Wem die Hexe ins Kreuz gefahren ist, der tendiert dazu, sich möglichst ruhig zu verhalten, weil jede Bewegung schmerzt, sowie bei unvermeidbarer körperlicher Aktivität eine Schonhaltung einzunehmen. Damit lassen sich die Schmerzen im Moment vielleicht ein wenig mindern, doch die ungewöhnliche bzw. unnatürliche Körperhaltung bewirkt nur eine noch ausgeprägtere Verkrampfung der Muskulatur. Dadurch nehmen die Rückenschmerzen dann nicht ab, sondern tendenziell eher zu. Wenn man aus der Schonhaltung nicht mehr herauskommt oder sich gar nicht mehr normal bewegen kann, dann kann der Arzt mit schmerzstillenden Medikamenten dabei helfen, den Teufelskreis von Verkrampfung und Schmerzen zu durchbrechen.

Rückenschmerzen lassen sich aber auch vorbeugen: So sollte man beim Heben grundsätzlich darauf achten, dies rückenschonend aus der Kniebeuge heraus zu tun und dabei die Muskulatur der Oberschenkel sowie des Gesäßes zu nutzen. Viele Menschen belasten ihren Rücken ferner, indem sie bei der Arbeit nicht zu lange, sondern vor allem falsch sitzen. Dagegen werden inzwischen zahlreiche Hilfsmittel angeboten, wie Rücken stützende Bürostühle, Keilkissen oder Sitzauflagen, die zu Bewegung beim Sitzen anregen. Denn wer nicht lange Zeit starr sitzt, sondern seine Position öfter verändert, tut seinem Rücken ebenfalls etwas Gutes. Überhaupt ist Bewegung auch in diesem Kontext eine ideale Strategie gegen Unwohlsein: Bei Spaziergängen werden Wirbelsäule und Muskulatur mobilisiert und beweglich gehalten. Bewegung schützt also nicht nur vor überflüssigen Pfunden, sondern auch „vor Rücken“!

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