Bouldern: „Hoch“ hinaus mit Kraft und Verstand

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Neben einem regelmäßigen Ausdauertraining empfehlen Sportwissenschaftler und Mediziner gleichermaßen ein kontinuierliches Krafttraining, um gesund und fit zu bleiben. Gerade auch ältere Menschen sind demnach aufgefordert, ihre Muskulatur leistungsfähig zu erhalten. Doch dies wirkt sich in jedem Alter als spürbarer Gewinn an Wohlbefinden und Lebensqualität aus: Ein sinnvolles Muskeltraining sorgt für mehr Beweglichkeit sowie bessere Koordination, entlastet die Gelenke und wirkt dem Leistungsverlust eines untrainierten Körpers entgegen. Außerdem hilft es, überflüssige Pfunde los zu werden.

Soweit, so gut. Viele Menschen verbinden mit Krafttraining jedoch unnatürlich ausgeprägte Muskeln wie im Bodybuilding und lehnen es deshalb ab. Doch das Ziel eines sinnvollen Krafttrainings besteht nicht darin, nach einiger Zeit à la Arnold Schwarzenegger in seiner Hochphase „aus dem Anzug zu quellen“, wie es in einem Lied heißt. Man muss also bei sinnvollem Krafttraining nicht zwangsläufig „Eisen pumpen“ und Muskelberge aufzubauen. Stattdessen lässt sich mit Trainingsmethoden wie dem Bouldern bzw. Klettern eine sehr effiziente Muskulatur aufbauen, die der körperlichen Fitness in vielfältiger Form zugutekommt.

Mit Klettern verbinden viele – mitunter gefährliches – Kraxeln im Gebirge bzw. die coolen Freeclimber, die nur mit Händen und Füßen als Hilfsmittel die schwierigsten Felswände bezwingen. Um Letzteres geht es im Prinzip auch beim Bouldern, nur dass der durchschnittliche Fitnesssportler dies nicht im Freien in unwirtlichen Bergmassiven, sondern an der nächstgelegenen Kletterwand „indoor“ betreibt.

Dieses daher auch Indoor-Climbing genannte Training besticht dadurch, dass es im Gegensatz zum Bodybuilding nicht einzelne Muskeln möglichst isoliert belastet, sondern den gesamten Oberkörper. Dabei sind die Muskeln dann auch in ihrem Zusammenspiel gefordert. Das bringt zwar keinen so „dicken Bizeps“ wie vielleicht in der Muckibude, dafür gewinnt der Sportler jedoch gleichmäßig mindestens ebenso viel an Kraft, fördert Haltung, Koordination und Gleichgewichtssinn. Deshalb bezeichnen Wissenschaftler und Sportphysiologen das Bouldern auch gern als das „intelligente Krafttraining“.

Das Schöne daran ist zudem, dass dieser äußerst effektive Ganzkörpersport ohne großen Aufwand von fast jedem und von allen Altersklassen ausgeübt werden kann. Er bedarf keiner speziellen Ausrüstung, sondern nur einer passenden Kletterhalle. Und beim Bouldern muss man meist keinen „inneren Schweinehund“ überwinden. Denn dieses Sportklettern macht einfach nur Spaß – selbst Menschen, die es in der Regel nicht so hoch hinaufzieht: Intensiv bouldern lässt sich schon in Höhen bis zu drei Metern, aus denen man jederzeit auch gefahrlos abspringen kann. Schon auf dieser kurzen Strecke werden jedoch alle für das Freiklettern erforderlichen Fähigkeiten gefordert: Kraft, Koordination, Beweglichkeit, Konzentration und Kreativität. Somit erweist sich Bouldern als ein Kraftsport, der in seiner Komplexität – und seinem Beitrag zum Wohlbefinden – seines Gleichen sucht.

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